Im Westen des im Jahre 1972 neu gebildeten Landkreises Weilheim- Schongau und der von vielen bedeutenden Kirchen- und Klosterbauten geprägten Kulturlandschaft Pfaffenwinkel liegt Altenstadt (721 m), die ursprüngliche Stadt Schongau.
Erstmals wird Alt- Schongau zwischen 1070 und 1080 im Traditionenbuch (Codex Traditionum) des Klosters Benediktbeuern urkundlich genannt. Dieses nennt einen Huc de Scongoe (Hugo von Schongau) als Zeugen einer Schenkung von Andechser Grafen über Leibeigene.
Anzunehmen ist, dass dieser Ministeriale (Güterverwalter) von Welf IV. — (Herzog von Bayern 1070 — 1077 und 1096 — 1101) war und dem einflussreichen Geschlecht der Schongauer entstammte.
Im Zuge der Gemeindereform wurde im Jahre 1978 der heutige Ortsteil Schwabniederhofen eingemeindet. Gleichzeitig wurde Altenstadt Sitz der Verwaltunsgemeinschaft der Gemeinden
Ingenried, Schwabsoien (mit Ortsteil Sachsenried), Schwabbruck, Hohenfurch und Altenstadt.
Nachweisen lässt sich eine sehr lange und bedeutende Siedlungs- und Ortsgeschichte.
Funde aus der Bronzezeit und der Urnenfelderzeit (ca. 1300 bis 700 v.Chr.) innerhalb der Gemarkungsgrenze belegen diese historische Aussage. Ebenso ist die Anwesenheit der Römer durch Funde von Münzen, Gegenständen und Gräbern belegt.
Es darf davon ausgegangen werden, dass der Burglachberg (heute Areal der Luftlande- und Lufttransportschule - LL/LTS) als strategischer Punkt in unmittelbarer Nähe der in den Jahren 46 und 47 n. Chr. erbauten und ausgebauten Via Claudia, der einzigen kaiserlichen Heer- und Handelsstraße über die Alpen, die Oberitalien mit Donauwörth verband, eine wichtige Rolle spielte.
Der Verlauf der Via Claudia im Ortsbereich ist auch heute noch teilweise nachweisbar (siehe Gedenkstein am östlichen Ortseingang).
Wie in vielen anderen Fällen gelten auch bei Altenstadt die dem Ende der Römerzeit folgenden Jahrhunderte als dunkles Zeitalter.
Erst im 8./9. Jahrhundert lässt sich durch Funde und andere geschichtliche Belege die Vergangenheit wieder nachzeichnen.
Mit der Fortsetzung der Welfenherrschaft an Ammer und Lech um 1055 durch Welf IV. (jüngere Welfen) bekommt der nicht unbedeutende Ort den Namen Scongoe (Schongau).
Als Raststation für Heeresabteilungen und Stapel- und Umschlagplatz für die von Italien kommenden Warenzüge gewann der Ort unter dem Schutz der Welfen (Eigengut) an zentraler Bedeutung und an Wohlstand.
Mächtige Herrscher wie z.B. Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe haben sich hier aufgehalten.
Der Bau, der auch heute noch monumental wirkenden alpenländisch- romanischen St. Michaelsbasilika im zu Ende gehenden 12. Jahrhundert an Stelle der zweiten Vorgängerkirche aus der karolingischen oder ottonischen Epoche unterstreicht die Bedeutung dieser Stadt zur Zeit der Wende von der welfischen zur staufischen Herrschaft. Mittlerweile bekannt gewordene geschichtliche Aufschlüsse stützen die berechtigte Annahme, dass Herzog WeIf VI. an ihrer Errichtung maßgeblich beteiligt war. Laut Verkaufsurkunde vom 7. Dez. 1289 hatte auch der im Jahre 1119 in Jerusalem gegründete Templerorden in der alten Stadt Schongau, wie sie dort genannt wird, und in umliegenden Orten Grundbesitz. Sein Wirken in Altschongau ist (noch) nicht erforscht, könnte jedoch mit Welf VI. mit der Basilika und (oder) auch mit der Via Claudia zusammenhängen.
Mit der Gründung der neuen Stadt Schongau auf dem nahen Lechumlaufberg durch Bewohner der alten Stadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann die rund 600 jährige gemeinsame Geschichte, die mit dem Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 endete.
In einer vorhandenen Abschrift der Urkunde über die Schlichtung des Zehentstreits zwischen der Kirche St. Lorenz (Altenstadt) und dem Kloster Rottenbuch durch Propst Berthold II. vom Kloster Steingaden in der St. Michaelsbasilika im Jahre 1253 wird Altenstadt als Gegenstück der entstehenden „neuen Stadt Schongau“ bereits die „alte Stadt Schongau“ genannt. Beide Urkundeninhalte (von 1253 und 1289) lassen durchaus die plausible Vermutung zu, dass beide städtische Gemeinwesen mit der Basilika als gemeinsame Pfarrkirche rund 100 Jahre nebeneinander bestanden haben.
Das Stadtrecht von 1346 der neuen Stadt Schongau, eines der ältesten Stadtrechte in Bayern, erwähnt schon die Rechte der „Altenstädter“. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der neuen Stadt sanken zugleich Einfluss und Bedeutung der alten Stadt, so dass sie fortan nur mehr als Pfarrdorf weiterbestand, in dem nur noch die mächtige Basilika St. Michael an ihre einstige Glanzzeiten erinnerte.
Die ab 1818 eigenständige Gemeinde Altenstadt war bis 1937 ein Ort mit typisch dörflichem Charakter. Ab diesem Jahr bewirkte der Bau der militärischen Anlagen (Kaserne, Baracken und Flughafen) an der Peripherie für die Flakartillerieschule IV eine einschneidende, grundlegende und nachhaltige Änderung des idyllischen Dorfbildes und damit auch den Wandel zum Garnisonsort.
Die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges teilweise leerstehenden Baulichkeiten boten mittelständischen Industrie- Gewerbe- und Handwerksbetrieben die Möglichkeit sich in Altenstadt anzusiedeln.
Mit dem Entstehen einer Vielzahl von Arbeitsplätzen, hauptsächlich in der Wirkwaren- und Strumpfindustrie nahm auch die Einwohnerzahl rasch zu. Viele Heimatvertriebene, vor allem aus früheren Produktionsorten im Sudetenland und Flüchtlinge aus Schlesien fanden hier Brot und Wohnung. Die Schaffung notwendigen Wohnraums in Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern und in Wohnblocks führte bis heute zur ständigen Ausweitung der Ortsgrenze.
Mit dem parallel laufenden Ausbau der notwendigen Infrastruktur, zuletzt auch im Ortsteil Schwabniederhofen, wurden die Voraussetzungen für ein gedeihliches Wachstum des nun 3400 Einwohner zählenden Ortes geschaffen.
Mit der Errichtung der Luftlande- und Lufttransportschule (LL/LTS) nach Einführung der Wehrpflicht und der Bundeswehr im Jahre 1956 wurde Altenstadt wieder Garnisonsort. Hier werden Soldaten aus aller Welt zu Fallschirmspringern und für den Lufttransport ausgebildet. In den nahezu 50 Jahren ist die Bundeswehr ein fest integrierter Bestandteil und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Ort und für das Umland geworden.
Seit einigen Jahren ist Altenstadt Mitglied im Regionalverbund “Auerbergland“. Ihm gehören zur Zeit insgesamt 11 westlich des Lechs gelegene Gemeinden an. Die Mehrzahl befindet sich an der antiken internationalen Verkehrsader „Via Claudia“. Auerbergland, Idee und Programm zugleich. will den Lebensraum und die Heimat für nahezu 20 000 Menschen durch ein vernetztes Entwicklungskonzept zukunftsfähig machen. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Via Claudia Augusta“ soll länderübergreifend ein Trassenkorridor wirtschaftlich, kulturell und touristisch belebt werden. Auf Grund der strukturellen Anbindung an den Wirtschaftsraum Schongau - Peiting kommt Altenstadt im Auerbergland die Brückenfunktion zum ländlichen Raum zu.
Die landschaftliche Lage im Voralpenland, die Nähe zu einer Vielzahl und Vielfalt von Sehenswürdigkeiten sowie die vielen Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung sowie das ausgewogene Arbeitsplatzangebot am Ort und im Nahbereich machen Altenstadt zu einem Ort, in dem man gerne lebt und wo man sich wohlfühlen kann.
Konrad Socher